KAPITEL IV · FÜNF JAHRZEHNTE

FÜNF JAHRZEHNTE.
KEINE ZEITLEISTE.

Erinnerung funktioniert nicht der Reihe nach. Eine neue Basslinie kann eine vierzig Jahre alte Platte berühren. Diese fünf Schichten liegen übereinander, und jeder Song steht auf allen.

70ER

DIE TÜR

Saturday Night Fever, das Falsett der Bee Gees, Earth, Wind & Fire, Chic, Chaka Khan. Ein Jugendlicher in Deutschland hört von den New Yorker Nächten, von Studio 54 bis zur Paradise Garage, und etwas beginnt sich zu bewegen, das nie wieder aufhört.

FORMAT
Single, 45 RPM
IM DJ-PULT
Zwei Plattenspieler, ein Mischpult, Kopfhörer
HEUTE GETRAGEN VON
The Soulcatcher
80ER

DIE EINS

P-Funk, James Brown, The Temptations, Michael Jackson und vor allem Prince. Basslines, die in der Brust landen. Zur selben Zeit erreicht Hip-Hop Deutschland: Kurtis Blow im Ohr, die ersten B-Boys auf Linoleum und Pappe.

FORMAT
Maxi-Single, 12 Zoll
IM DJ-PULT
Technics SL-1200MK2
HEUTE GETRAGEN VON
The Soulcatcher, B.Awesome

HEUTE HÖREN

90ER

DIE STIMMEN

Das Jahrzehnt der großen Stimmen, geprägt von Produzenten wie L.A. Reid und Babyface, Jimmy Jam und Terry Lewis. R&B wird elegant und warm. Und Hip-Hop, der als Bewegung kam, wird Sprache.

FORMAT
CD
IM DJ-PULT
Die ersten CD-Player neben den Plattenspielern
HEUTE GETRAGEN VON
Velvet Soul Society, B.Awesome

HEUTE HÖREN

2000ER

DIE DATEIEN

Musik wandert aus den Regalen auf Festplatten, das Studio auf einen Bildschirm: Native Instruments, Cubase, Logic Pro, Ableton Live. Jede neue Generation von Werkzeugen erweitert das Handwerk. Keine ersetzt es.

FORMAT
Dateien und Downloads
IM DJ-PULT
Digitale Decks
HEUTE GETRAGEN VON
B.Awesome
HEUTE

DER RAUM

Immer noch auf der Tanzfläche, beim ADE in Amsterdam und beim Reeperbahn Festival in Hamburg. Defected, Glitterbox, Deep House, Licht auf Wasser. Und nach den stillen Jahren der Pandemie ein Wunsch: zurückzuholen, was auf einer Tanzfläche passiert.

FORMAT
Streams und Playlists
IM DJ-PULT
USB, rekordbox, Controller
HEUTE GETRAGEN VON
Theo Nostos

HEUTE HÖREN

▶ lädt den Spotify-Player. Ab dann erhält Spotify Daten wie deine IP-Adresse, siehe Datenschutz. Eingeloggt spielt Spotify ganze Songs, sonst eine 30-Sekunden-Vorschau.

DIE MUSIKALISCHE LEBENSGESCHICHTE

FÜNF JAHRZEHNTE.
EIN SOUNDTRACK.

Mehr als eine Liste von Einflüssen: die Platten, Clubkulturen, Techniken und Sounds, die ein musikalisches Leben begleitet haben und sich jetzt in den kreativen Welten des Labels spiegeln.

1970er01

DER ERSTE FUNKE

DISCO WAR DIE TÜR.

Saturday Night Fever, die Bee Gees, Earth, Wind & Fire, Kool & the Gang, Stevie Wonder, Chic und Chaka Khan mit I’m Every Woman und Ain’t Nobody. Dazu der Mythos New Yorker Nächte, vom Studio 54 bis zur Paradise Garage. Die erste Liebe: die Tanzfläche.

1980er02

AUF DIE EINS

FUNK GEHT IN DIE BRUST.

P-Funk, James Brown, The Temptations, Michael Jackson und vor allem Prince. Basslines, die man nicht hört, sondern spürt. Wenn der Oberkörper von selbst mitgeht, entsteht Verbundenheit.

FRÜHE 1980er03

DIE GEBURT DER B-BOYS

HIP-HOP KAM NACH DEUTSCHLAND.

Kurtis Blow im Ohr, die ersten B-Boys auf Linoleum und Pappe. Mittendrin statt nur dabei: die Wurzeln von B.Awesome.

BIS HEUTE04

DER CIRCLE

EINER, DER WEISS, WAS ER SIEHT.

Dutzende Male im Publikum: beim Notorious IBE in Heerlen, beim Battle of the Year, beim Red Bull BC One. Nie als Teilnehmer, immer mit ganzem Herzen.

1980er / 90er05

DIE CLUB-REVOLUTION

VON DER GARAGE INS WAREHOUSE.

Larry Levan, Frankie Knuckles und das Warehouse in Chicago, wo House Music ihren Namen bekam. Dann Ministry of Sound, Defected und Glitterbox: die Linie, die zu Theo Nostos führt.

1990er06

DIE GROSSEN STIMMEN

R&B MIT SEELE UND GLANZ.

Das Jahrzehnt der großen Stimmen, geformt von Produzenten wie L.A. Reid und Babyface, Jimmy Jam und Terry Lewis. Jede Dekade hatte ihre Höhepunkte, jede hat Spuren hinterlassen.

DAS HANDWERK07

VOM BAND ZUR DAW

DIE WERKZEUGE JEDER ÄRA.

Bandmaschinen, große Mischpulte, Schnitte mit der Klinge und geklebte Bänder. Dann MPCs, Beatmaking-Maschinen, Native Instruments, Cubase, Logic Pro und Ableton Live.

HEUTE08

SOWOHL ALS AUCH

IMMER AUF DEM STAND DER ZEIT.

Über sechzig und noch immer neugierig. Wir arbeiten auf dem aktuellen Stand der Technik und nutzen die Werkzeuge, die uns das Leben in die Hand gibt. Nie ein Entweder-oder.

NACH CORONA09

ZURÜCK AUF DIE TANZFLÄCHE

FÜHLEN STATT FILMEN.

Zwischen Smartphone, Second Screen und den stillen Jahren der Pandemie ging verloren, was auf einer Tanzfläche passiert. Es zurückzubringen, ist einer der größten Wünsche hinter diesem Label.

DIE ABSICHT010

KEINE MASCHINE

ZUERST EINE GEMEINSCHAFT.

Am Anfang stand kein Geschäftsplan, sondern der Wunsch, ein Leben in Musik zu gießen und Menschen zu finden, die beim Hören dasselbe spüren. Das ist bis heute der Kern. Kooperationen, Lizenzen und neue Partner sind willkommen, solange die Musik im Mittelpunkt bleibt.

IMMER011

DIE GESCHICHTEN

GEFÜHLT, NICHT UNBEDINGT ERLEBT.

In jedem Künstler steckt ein Stück aus dem eigenen Leben. Nicht alles ist genau so passiert. Aber so sieht er die Welt.

DIE ENTWICKLUNG DES SOUNDS

DIE FORMATE ÄNDERTEN SICH.
DIE WERKZEUGE AUCH.

Drei Entwicklungen haben diese musikalische Autobiografie geprägt: wie Musik veröffentlicht und gehört wurde, wie DJs sie auf der Tanzfläche zum Leben erweckten und wie Produzenten sie im Studio machten. Medien und Geräte haben sich ständig verändert, Neugier und musikalisches Urteil sind mitgewachsen.

SEITE A / DER HÖRER

VOM PLATTENLADEN ZU ÜBERALL.

01 / DIE SINGLE · 1970er

7 ZOLL. 45 UMDREHUNGEN. DER ERSTE FUNKE.

Die kleine Single war mehr als eine Platte. Für einen Teenager, der die Bee Gees, The Trammps und Disco entdeckte, war sie die Tür zu einer lebenslangen Beziehung mit Musik.

02 / DER EXTENDED MIX · SPÄTE 1970er – 1980er

12 ZOLL. MEHR RAUM FÜR DEN GROOVE.

Die Maxi-Single wurde zum prägenden Format für Disco-DJs und die House-Kultur: lange Mixe, längere Intros, mehr Bass und Raum für die Tanzfläche. Manche liefen mit 45, andere mit 33⅓ Umdrehungen.

03 / DIE DIGITALE SCHEIBE · 1980er – 1990er

DIE CD VERÄNDERTE DAS HÖREN.

Die Compact Disc veränderte, wie Musik gesammelt, entdeckt und gehört wurde, während auch die Studiotechnik ins digitale Zeitalter ging.

04 / MUSIK ÜBERALL · 2000er – HEUTE

DATEIEN. DOWNLOADS. STREAMING.

Musik wanderte vom Regal auf die Festplatte und dann auf Plattformen und in Playlists. Der Zugang hat sich radikal verändert, die Suche nach dem Track, den man immer wieder hören will, nicht.

SEITE B / DAS STUDIO

VON DER SCHNITTKLINGE ZUM CURSOR.

01 / KÖRPERLICHER SOUND · DIE ANALOGE ÄRA

MISCHPULTE, MEHRSPURBAND UND DIE SCHNITTKLINGE.

Aufnahmen drehten sich einst um große Pulte, Outboard-Geräte und Magnetband. Schneiden hieß manchmal, das Band wirklich zu zerschneiden und zu kleben. Das ist Teil der Produktionsgeschichte hinter der Musik, mit der er aufgewachsen ist.

02 / NEUE PRÄZISION · DER DIGITALE WANDEL

VOM BAND ZUR DIGITALEN MEHRSPUR.

Digitale Aufnahme und verlustfreie Bearbeitung veränderten, wie Produzenten arrangieren, überarbeiten und experimentieren konnten. Sound wanderte immer mehr von physischen Medien in digitale Abläufe.

03 / DAS STUDIO AUF DEM BILDSCHIRM · DIE DAW-ÄRA

ABLETON LIVE. LOGIC PRO. KREATIVE FREIHEIT.

Computerbasierte Werkzeuge holten Arrangement, Schnitt, Sounddesign und Mischung in immer flexiblere digitale Arbeitsräume. Musikalische Ideen kamen mit weniger technischen Hürden weiter.

04 / DER STAND DER TECHNIK · HEUTE

NEUE WERKZEUGE. DAS GEHÖR VON IMMER.

Neue Werkzeuge kommen, bewährte bleiben. Es war nie ein Entweder-oder, immer ein Sowohl-als-auch. Erfahrung, Auswahl und Geschmack entscheiden, was Musik wird.

SEITE C / DAS DJ-PULT

VOM NADELAUFSETZEN
ZU DIGITALEN DECKS.

Vom Cuen der Platte von Hand und dem Spiel mit dem Pitch-Regler bis zur clubfertigen USB-Bibliothek: Das DJ-Pult wurde zu einem mächtigen kreativen Instrument. Die Kunst blieb dieselbe: die richtige Platte wählen, den Übergang finden und den Raum verstehen.

01 / DAS VINYL-PULT · 1970er

ZWEI PLATTENSPIELER. EINE TANZFLÄCHE.

Das DJ-Pult war körperlich: Singles, Maxis, Plattenspieler, Kopfhörer und ein Mixer. Cuen, Timing und Übergänge entstanden mit Gehör und Händen.

02 / DER CLUB-STANDARD · 1979 → 1990er

TECHNICS SL-1200MK2 / SL-1210MK2.

Der 1979 vorgestellte MK2 mit Direktantrieb und Pitch-Regler prägte die Arbeit am Vinyl-Pult. In den Achtzigern und Neunzigern wurden die Technics zu bleibenden Ikonen von Disco, House und Hip-Hop.

03 / DER CDJ KOMMT · 1994 → 2000er

VOM VINYL ZUM CD-PLAYER.

Pioneer stellte 1994 den CDJ-500 vor. Spätere Player wie der CDJ-1000 brachten vinylähnliche Techniken an das CD-Pult, während Platten und CDs nebeneinander bestanden.

04 / DIE DIGITALE BIBLIOTHEK · 2000er → 2010er

MP3. USB. REKORDBOX.

Digitale Audiodateien, CDJs mit USB und der Ablauf mit CDJ-2000 und rekordbox ab 2009 veränderten, wie DJs ihre Musik tragen, ordnen und vorbereiten. Die Plattentasche wurde zur digitalen Bibliothek.

05 / DAS VERNETZTE PULT · HEUTE

CONTROLLER. SOFTWARE. NEUE FREIHEIT.

Heute bieten Club-Player, Laptops, Controller und DJ-Software flexible Wege zu performen, zu remixen und eine musikalische Reise zu bauen. Die Technik hat sich verändert, Auswahl, Rhythmus und die Verbindung zum Publikum bleiben entscheidend.

Ein halbes Jahrhundert Platten, Tanzflächen, DJ-Pulte und Studios. Ein Leben voller wachsendem musikalischen Verständnis. Die Technik entwickelt sich weiter. Das Gehör hinter der Musik wächst mit.